Wasser- & Naturjuwele

SEEN UND NATURDENKMÄLER

Von der stillen Magie des geschützten Wiegensees bis zu den gewaltigen Hochgebirgsstauseen Silvretta, Vermunt und Kops.

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Moore und Stauseen liegen in derselben Bergregion, erfüllen aber ganz unterschiedliche Funktionen. Der Beitrag stellt das Wiegensee-Gebiet sowie Silvretta-, Vermunt- und Kopssee vor und ordnet Naturraum und Wasserkraft nebeneinander ein.

Das Naturwunder Wiegensee: Schönster Platz Österreichs

Ruhiger Bergsee mit alpiner Uferlandschaft im Verwall
Der Wiegensee: Sensibles Hochmoorbiotop von europäischer Bedeutung

Auf einer Hochterrasse des Verwalls auf 1.925 Metern Seehöhe liegt der Wiegensee. Er ist der älteste und am besten erhaltene Moorsee des Montafons und bildet den Kern des Europaschutzgebiets Verwall.

Die Entstehung des Sees geht auf die letzte Eiszeit vor rund 10.000 Jahren zurück. Über Jahrtausende bildeten sich meterharte Torfschichten und schwimmende Schwingrasen, auf denen fleischfressender Sonnentau, Zwergbirken und seltene Seggenarten gedeihen. Im Oktober 2021 wählte das österreichische Fernsehpublikum den Wiegensee im Hauptabendprogramm des ORF zum Sieger der Sendung 9 Plätze – 9 Schätze.

Um das hochsensible Ökosystem vor Trittschäden zu bewahren, wurde ein naturnaher Holzbohlenweg errichtet. Das Verlassen der Stege sowie das Baden im See sind streng verboten. Wanderer erreichen den See entweder über die Tafamuntbahn ab Partenen und einen ca. 1,5-stündigen Aufstieg oder über das Zeinisjoch.

Der Silvretta-Stausee auf der Bielerhöhe

Mit einem Stauvolumen von 38,6 Millionen Kubikmetern Wasser ist der Silvretta-Stausee (2.037 m) das Herzstück der Illwerke-Energiegewinnung. Er fängt das Schmelzwasser der Silvretta-Gletscher auf und speist die Turbinen des Vermuntwerks und der nachfolgenden Kraftwerksstufen im Tal.

Für Feriengäste bietet der See vielfältige Erholungsmöglichkeiten:

  • Silvrettasee-Schifffahrt: Auf dem See verkehrt das einzige motorgetriebene Fahrgastschiff Europas auf über 2.000 Metern Seehöhe, das Motorboot Silvretta, das regelmäßig Rundfahrten anbietet.
  • Uferrundweg: Ein 6,3 Kilometer langer, kinderwagentauglicher Spazierweg umrundet das gesamte Gewässer mit ständigen Ausblicken auf Piz Buin und Silvrettahorn.
  • Angeln im Hochgebirge: Der See ist für seinen Bestand an Seesaiblingen und Regenbogenforellen unter Sportfischern geschätzt (Tageskarten erforderlich).

Der Vermuntsee und die Kletterarena

Unterhalb der Bielerhöhe auf 1.743 Metern Seehöhe liegt der Vermuntsee. Seine 1930 fertiggestellte Schwergewichtsmauer war zur Bauzeit die größte Staumauer Österreichs. Heute dient die steile Betonflanke der Staumauer als Klettergarten mit gesicherten Klettersteigen, die direkt über dem Wasser emporführen. Der Klettersteig Vermunt-Staumauer bietet Routen im Schwierigkeitsgrad B bis D und erfordert vollständige Klettersteigausrüstung mit Helm und Bandschlinge.

Kops-Stausee am Zeinisjoch

An der Grenze zum Paznaun liegt auf 1.809 Metern der Speicher Kops. Die hier errichtete doppelt gekrümmte Bogengewichtsmauer fügt sich kühn in die Granitfelsen ein. Rund um den Kopssee führt ein beliebter Rundwanderweg, der spektakuläre Blicke auf das türkisgrüne Wasser und die umliegenden Gipfel der Fluchthorn-Gruppe bietet. Der See ist zudem ein beliebtes Ziel für Angler, die die Ruhe des Hochplateaus schätzen.

Wasserkraft und ökologisches Gleichgewicht

Die Speicherseen der Illwerke vkw sind technische Meisterwerke der Pumpspeicher-Technologie. Mit Inbetriebnahme hochmoderner Kavernenkraftwerke wie dem Kopswerk II und dem Vermuntwerk II kann überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energiequellen (Wind- und Solarenergie) in Sekundenschnelle genutzt werden, um Wasser zurück in die oberen Speicherbecken zu pumpen. Bei Spitzenbedarf im europäischen Verbundnetz treibt das gespeicherte Wasser in wenigen Augenblicken Turbinen zur Stromerzeugung an.

Gleichzeitig wird durch streng regulierte Pflichtwasserabgaben sichergestellt, dass die Gebirgsbäche unterhalb der Staumauern das ganze Jahr über ausreichend Wasser führen, um den Lebensraum für heimische Bachforellen, Flusskrebse und Wasserinsekten zu sichern.

Für Sportfischer bieten der Silvretta-Stausee und der Kopssee außergewöhnliche Bedingungen. In den kalten, sauerstoffreichen Schmelzwässern wachsen Seesaiblinge und Regenbogenforellen heran. Fischereilizenzen (Tageskarten) sind beim Tourismusverband und im Berggasthof Piz Buin erhältlich.

Gewässer Höhenlage Fläche / Stauvolumen Schutzstatus / Besonderheit
Wiegensee 1.925 m ca. 1,6 ha (Moorsee) Natura-2000-Schutzgebiet, Schwingrasen, Badeverbot
Silvretta-Stausee 2.037 m 1,31 km² / 38,6 Mio. m³ Höchstgelegene Motorbootlinie Europas, Uferweg
Vermuntsee 1.743 m 0,35 km² / 5,3 Mio. m³ Historische Staumauer von 1930, Klettersteiganlage
Kopssee 1.809 m 0,65 km² / 42,9 Mio. m³ Bogengewichtsmauer am Zeinisjoch, Anglerrevier
Naturraum bewusst erleben
Energieprinzip verstehen

Wie ein Pumpspeicher Strom bereitstellt

Silvretta-Stausee in der alpinen Landschaft
Der Silvretta-Stausee auf der Bielerhöhe.Foto: Devcore · skaliert · CC0 · Bildquelle

Vereinfachte Darstellung des im Beitrag beschriebenen Prinzips; konkrete Anlagen und Betriebsabläufe können sich unterscheiden.

  1. 01

    überschussstrom

    Erneuerbare Energie steht zeitweise zur Verfügung und kann zum Hochpumpen von Wasser genutzt werden.

  2. 02

    Speichern

    Wasser wird in ein höher gelegenes Speicherbecken zurückgepumpt.

  3. 03

    Strom erzeugen

    Bei Bedarf treibt gespeichertes Wasser Turbinen an und erzeugt Strom.

Moorsee und Stausee unterschiedlich besuchen

Wiegensee und die hochalpinen Speicher liegen in verschiedenen Landschafts- und Nutzungszusammenhängen. Richten Sie Ihren Besuch danach aus:

  • Am Moorsee bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen und nehmen sich Zeit für die empfindliche Umgebung.
  • Bei einem Stausee verbinden Sie den Blick auf Wasser und Gebirge mit dem Wissen um die energiewirtschaftliche Nutzung.
  • Für Baden, Angeln oder einen Aufenthalt abseits der Wege gelten möglicherweise eigene Regeln; leiten Sie solche Möglichkeiten nicht allein aus der Uferlage ab.

Vor Ort haben Schutz- und Hinweistafeln Vorrang. Prüfen Sie Zugang und Wegzustand für Ihr konkretes Ziel, bevor Sie die Tagesroute festlegen.