Kultur & Natur

SEHENSWÜRDIGKEITEN IN GASCHURN-PARTENEN

Von sakraler Baukunst und Alpingeschichte bis zu geschützten Hochmooren und Ingenieursdenkmälern: Die herausragenden Ausflugsziele der Gemeinde.

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Kirchen, Museum, Hochmoor und Anlagen der Wasserkraft erzählen unterschiedliche Seiten der Region. Die Auswahl verbindet Ziele im Dorf mit Orten, für die ein Ausflug in die umliegende Berglandschaft nötig ist.

Pfarrkirche St. Michael in Gaschurn

Historische Dorfkirche im Montafon vor der Silvretta
Kirche im Montafon: Ein historischer Ortskern vor der Silvretta-Kulisse

Das dominierende sakrale Bauwerk der Region ist die katholische Pfarrkirche zum Heiligen Erzengel Michael im Ortszentrum von Gaschurn. Der neugotische Saalbau wurde zwischen 1867 und 1869 nach Plänen des fürstlichen Baumeisters Johann Mayer errichtet und 1879 feierlich geweiht.

Im Kircheninneren fallen die großflächigen Nazarener-Deckenfresken ins Auge, die von den Schrunser Kirchenmalern Franz und Jakob Bertle geschaffen wurden. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben Jesu, die Anbetung der Hirten sowie das Jüngste Gericht. Der Hochaltar und die Seitenaltäre sind meisterhaft in gotisierenden Formen geschnitzt. Der 55 Meter hohe Spitzhelm des Kirchturms dient im Talboden als weithin sichtbarer Orientierungspunkt.

Montafoner Tourismusmuseum im Alten Frühmesshaus

Das Tourismusmuseum Gaschurn ist im denkmalgeschützten Alten Frühmesshaus aus dem Jahr 1707 untergebracht. Das Gebäude selbst repräsentiert die ursprüngliche Montafoner Holzarchitektur mit gemauertem Flurgang, getäferter Stube und offenem Rauchfang.

Die Dauerausstellung dokumentiert die Anfänge des Fremdenverkehrs im Montafon: von den ersten Forschungsreisen der Naturforscher über die Errichtung der Schutzhütten bis zur Blütezeit des Skitourismus um Ernest Hemingway, der die Winter 1924/25 und 1925/26 im benachbarten Schruns verbrachte und die Hänge um Gaschurn mit Skiern bestieg. Historische Holzski, traditionelle Kletterausrüstungen und zeitgenössische Fotodokumente veranschaulichen den Wandel vom Bergbauerndorf zum Fremdenverkehrsort.

Kuratienkirche Hl. Martin in Partenen

Kirche St. Martin in Partenen
Die denkmalgeschützte Kirche St. Martin in Partenen.Foto: Asurnipal · skaliert · CC BY-SA 4.0 · Bildquelle

In Partenen befindet sich die Kuratienkirche zum Heiligen Martin. Sie wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Filialkirche erbaut und 1801 geweiht. Der schlichte, harmonische Barockbau besitzt einen geschindelten Zwiebelturm und birgt wertvolle Rokoko-Stuckaturen sowie eine Altarretabel mit Darstellungen des Heiligen Martin von Tours.

Bemerkenswert ist das Kriegerdenkmal am Friedhof von Partenen, das an die Opfer der Weltkriege sowie an verunglückte Arbeiter des Kraftwerkbaus der Illwerke erinnert. Es unterstreicht die enge Verbundenheit des Dorfes mit den Schicksalen der industriellen Erschließung.

Naturdenkmal Wiegensee: Schönster Platz Österreichs

Der Wiegensee ist ein natürlicher Stausee-Moorsee auf 1.925 Metern Seehöhe an den Südhängen des Verwalls oberhalb von Partenen. Er ist der älteste noch erhaltene Moorsee des Montafons und steht als Teil des Europaschutzgebiets Verwall unter strengem Naturschutz.

Besonders bemerkenswert sind die Schwingrasen, seltene Torfmoose und Teppiche von Scheuchzers Wollgras, die den See säumen. Im Jahr 2021 wurde der Wiegensee im Rahmen der bekannten ORF-Sendung 9 Plätze – 9 Schätze zum schönsten Ort Österreichs gewählt. Ein hölzerner Bohlenweg leitet Wanderer schonend durch das sensible Moorgebiet.

Industriekultur: Staumauern und Kraftwerksarchitektur

Die Talsperren der Illwerke stellen beeindruckende Zeugnisse alpiner Baukunst dar. Besonders hervorzuheben sind:

  • Die Silvretta-Staumauer: Die Hauptstaumauer auf der Bielerhöhe (2.037 m) staut über 38 Millionen Kubikmeter Wasser und bietet einen unverstellten Blick auf den Ochsentaler Gletscher und den Piz Buin.
  • Die Staumauer Kops: Eine kühne doppelt gekrümmte Bogengewichtsmauer am Zeinisjoch, die als ingenieurtechnische Pionierleistung der europäischen Nachkriegszeit gilt.
  • Kletterarena Staumauer Vermunt: Die steile Betonwand der Vermunt-Staumauer wurde zu einer anspruchsvollen Klettersteiganlage mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausgebaut.
  • Europatreppe 4000: Die mit 3.609 Stufen längste gerade Treppe Europas entlang der Trasse der Vermunt-Schrägbahn in Partenen.
Sehenswürdigkeit Kategorie Zugänglichkeit / Besonderheit
Pfarrkirche St. Michael Sakralbau (Neugotik) Ganzjährig frei zugänglich, Deckenfresken von Franz Bertle
Tourismusmuseum Gaschurn Kultur & Regionalgeschichte Historisches Frühmesshaus (1707), saisonale Öffnungszeiten
Wiegensee Naturdenkmal / Moorsee Nur zu Fuß erreichbar (Wanderwege ab Tafamunt oder Zeinisjoch)
Silvretta-Stausee Alpines Gewässer & Talsperre Im Sommer via Hochalpenstraße, im Winter via Vermuntbahn
Europatreppe 4000 Sport- & Technikdenkmal Partenen, 3.609 Stufen entlang der Trasse der Schrägbahn
Besuch nach Themen ordnen
Blickhilfe vor Ort

Auf welche Details lohnt sich ein Blick?

Ein kurzer Beobachtungsleitfaden zu den Merkmalen, die der Beitrag an den jeweiligen Orten beschreibt.

  • 01

    Kirchen

    St. Michael ist neugotisch gestaltet; St. Martin in Partenen ist ein schlichter Barockbau mit geschindeltem Zwiebelturm.

  • 02

    Altes Frühmesshaus

    Das Gebäude von 1707 zeigt traditionelle Montafoner Holzarchitektur und eine getäferte Stube.

  • 03

    Wiegensee

    Der Moorsee liegt im Europaschutzgebiet Verwall. Bei einem Besuch auf den ausgewiesenen Wegen bleiben.

  • 04

    Staumauern

    Die Bauwerke als Zeugnisse alpiner Wasserkraft betrachten und nur freigegebene Zugänge nutzen.

Dorfgeschichte und Technik sinnvoll verbinden

Wer mehrere Sehenswürdigkeiten an einem Tag besuchen möchte, kann sie nach ihrem Charakter ordnen:

  1. Im Ort: Kirche, Ortsbild und Museum lassen sich als kulturhistorischer Spaziergang betrachten.
  2. Im Tal: Bauwerke der Wasserkraft eröffnen einen anderen Blick auf die Entwicklung der Region.
  3. Im Hochgebirge: Stauseen und Passlandschaft sind ein eigener Ausflug mit längerer Anfahrt und Wetterabhängigkeit.

Öffnungszeiten, Zugänge und Führungen sind nicht bei allen Orten gleich. Prüfen Sie diese vorab und planen Sie den Außenbereich nicht als Ersatz für einen garantiert geöffneten Innenraum.